Energiesicherheit: Deutscher Ausstieg mit Atomstrom

Deutschland setzt auch künftig auf Atomstrom.

Das hätte auch schiefgehen können. Auch fast zehn Jahre nach dem deutschen Beschluss zum rigorosen Energieausstieg hatte die Bundesregierung noch kaum Erfolge beim Aufbau speichernder Netze und windkraftgetriebener Fahrzeuge vorzuweisen. Stattdessen sorgten die Ausstiegskosten zuletzt für so viel Unmut, dass der Bundeswirtschaftsminister selbst ankündigen musste, dass künftig nicht mehr stromverbrauchende Steuerbürger*innen sondern ausschließlich steuerzahlende Stromverbraucher die Kosten für den weltweit vielbeachteten deutschen Fantasiestrompreis übernehmen würden. Dadurch profitiere das Klima weiterhin von der – dann abgeschafften – Erneuerbare-Energien-Umlage. Ohne dass die beschwerliche Strecke, die bis zum Ausstieg auch aus Kohle, Öl und Gas noch zurückzulegen ist, direkt auf den Zähler schlägt.

Pelletts aus eigenen Anbau

Wie aber ein Land am Laufen halten, das allen Prognosen zufolge auch in fünf, zehn und 15 Jahren noch Restenergie nutzen müssen wird? Können Grüne Physik, Windradvoodoo, die Abdeckung früherer landwirtschaftlicher Flächen mit Solarpanelen, Pellets aus eigenem Anbau und intelligentes Lademanagement wirklich ersetzen, was im Moment noch durch die Leitungen vagabundiert, eingespeist gerade in den dunklen, kalten Tagen des Klimawinters aus vorsintflutlichen Kern- und Kohlekraftwerken? 

Es war lange ungewiss, so ungewiss sogar, dass im Vertrauen darauf, dass sich zu gegebener Zeit sicher irgendeine Art von Lösung finden werde, gar nicht mehr darüber gesprochen wurde. Der deutsche Energiekonsens, ein zerbrechliches Gebilde aus Sehnsucht, Hoffnung und irrationalem Glauben, verließ sich auf Pläne, die ausschließlich aus Zielen bestanden, die in Papieren niedergeschrieben worden waren, von denen schon wenige Wochen nach ihrer Verabschiedung nicht mehr weiter die Rede war.  Irgendwie und irgendwann würden Straßen die Kraftwerke ersetzen, neue Kunsthochschulen das Land beheizen und neue Professuren zur Erforschung des Lebens ohne Kohle, Öl und Gas die Stromversorgung sicherstellen.

Ausstiegsunwillige Rückständler

Und schließlich sind da ja auch noch die Nachbarn, weitgehend ausstiegsunwillige Rückständler, die die Zeichen der Zeit noch nicht erkennen können, weil es ihnen an der sozialen und klimatischen Intelligenz fehlt der Deutschen 2.0 auszeichnet. Sie heizen mit Kohle, betreiben Kernkraftwerke und übertreiben es damit soweit, dass Deutschland immer öfter einspringen muss, um überproduzierten Klimastrom abzunehmen. Eine stille, aber zutiefst europäische Zusammenarbeit: Die einen steigen demonstrativ aus, die anderen lassen laufen, länger nun sogar. Frankreich etwa hat nun beschlossen, aus dem deutschen Atomkraftausstieg auszusteigen. Und die gesetzliche Laufzeit seiner Alt-Reaktoren aus den 80er Jahren von 40 auf 50 Jahre zu erhöhen.

Bis mindestens 2030 ist damit auch das Schreckgespenst der deutschen Dunkelflaute verjagt, mit dem Energiezweifler und Angstmacher immer wieder gegen den Energieausstieg gehetzt hatten. Nachdem die französische Atomaufsicht Autorité de sûreté nucléaire angewiesen hat, dass die nach Bauplänen aus den 60er und 70er Jahren errichteten 32 Meiler – 13 von ihnen das Höchstalter von 40 Jahren bereits überschritten – repariert werden müssen, dann aber weiterlaufen dürfen, ist auch die deutsche Ausstiegsenergieversorgung perspektivisch sicher.